Aus der Geschichte des Vereins

Der Verein für niederdeutsche Sprachforschung (VndS) wurde 1874 als einer der ersten Sprachvereine Deutschlands in Hamburg gegründet. Die Gründungszeit war geprägt von einem aufkommenden allgemeinen Interesse für Sprach- und Sprachgeschichtsforschung, in der auch der Dialektologie eine steigende Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Es war das erklärte Ziel der Vereinsarbeit, die niederdeutsche Sprache in ihrer ganzen sprachkulturellen Erscheinungsvielfalt zu erforschen. Sprachpflegerische Aktivitäten wurden hingegen nicht angestrebt. Von Beginn an kooperierte der Verein mit dem 1870 gegründeten Hansischen Geschichtsverein, mit dem er bis zum Jahr 2007 gemeinsame Jahrestagungen veranstaltete.

Die erste Jahrestagung fand Pfingsten 1875 in Hamburg statt. Unter dem Vorsitz von August Lübben (Oldenburg) trat der erste Vorstand zusammen, dem weiterhin Elard Hugo Meyer, (Bremen), F. K. G. H. Culemann (Hannover), O. Francke (Stralsund), Karl Nerger (Rostock), K. Koppmann (Barmbeck) und W. H. Mielck (Hamburg) angehörten. Noch im selben Jahr begann man mit der Publikation des Niederdeutschen Jahrbuchs (Redaktion: August Lübben, Karl Nerger, C. Walther) als zentralen wissenschaftlichen Publikationsorgans, ab 1876 folgte das Korrespondenzblatt (Redaktion: Karl Koppmann, W. H. Mielck), in dem neben wissenschaftlichen Miszellen und Materialsammlungen auch kleinere Arbeiten mit populärem Charakter veröffentlicht wurden.

1876 zählte der Verein bereits 220 Mitglieder. In etlichen Städten des norddeutschen Raums bildeten sich Regionalgruppen, sogenannte Bezirke.

Nachdem die Tradition der Pfingsttagungen zu Beginn des 1. Weltkriegs eine Zäsur erfahren hatte und erst 1921 in Lübeck fortgesetzt werden konnte, begann in der Weimarer Republik neuerlich eine fruchtbare Phase der Vereinsgeschichte, die mit prominenten Namen wie Conrad Borchling und Agathe Lasch in Verbindung gebracht werden kann. Borchling, Vereinsvorsitzender von 1923 bis 1939, etablierte als Professor für Deutsche Philologie an der Universität Hamburg gemeinsam mit Agathe Lasch das Niederdeutsche als wissenschaftliche Disziplin.

1933 begann die Instrumentalisierung des Vereins durch die Nationalsozialisten, wie es u.a. die Vereinsmitteilungen des Korrespondenzblattes ausweisen. Als Jüdin sah sich Agathe Lasch Ende März des Jahres 1933 zum Rücktritt aus dem Vorstand des Vereins genötigt. Spätestens im Jahre 1935 war der Verein gleichgeschaltet. Der beginnende Krieg verhindert ab 1940 die Durchführung von Jahrestagungen, die erst 1946 fortgesetzt wurden. Die regelmäßige Publikation des Niederdeutschen Jahrbuches konnte noch bis zum Jahr 1942 erfolgen.

In memoriam Agathe Lasch

 Prof. Dr. Agathe Lasch
(*1879 Berlin; † 1942 Riga)

Agathe Lasch war die erste Germanistikprofessorin in Deutschland, Pionierin der Stadtsprachenforschung und zugleich Begründerin der modernen Lexikografie in Hamburg.

Nach Ablegen eines Lehrerinnenseminars 1898 arbeitete Lasch bis 1907 an mehreren Schulen. 1906 bestand sie die Abiturprüfung und immatrikulierte sich noch im selben Jahr an der Universität Halle in den Fächern Deutsche Philologie, Romanische Philologie und Philosophie, allerdings nur als „Hospitantin“, da den Frauen ein ordentliches Studium an preußischen Universitäten bis 1908 versagt blieb. Aus diesem Grund wechselte Lasch 1907 an die Universität Heidelberg, wo sie u.a. bei dem Junggrammatiker Wilhelm Braune studierte. 1909 promoviert sie; 1910 erschien ihre Dissertation „Zur Geschichte der Schriftsprache in Berlin bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts“, die sie ihrem Förderer Braune widmete. Im gleichen Jahr legte sie ihr Staatsexamen für das höhere Lehramt ab.

1910 ging Lasch an das Frauencollege Bryn Mawr in Pennsylvania (USA). Dort leitete sie den Bereich „Allgemeine Germanische Philologie“ und bot Lehrveranstaltungen zum Gotischen, Altnordischen, Altsächsischen, Mittelhochdeutschen, Mittelniederdeutschen und zur Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache an.

Parallel arbeitet sie an einer Mittelniederdeutschen Grammatik, die 1914 in der von Wilhelm Braune herausgegebenen Reihe „Sammlung kurzer Grammatiken Germanischer Dialekte“ erscheinen konnte.

1916 entschied sich Lasch gegen eine Vertragsverlängerung in Bryn Mawr und ging zurück nach Deutschland, wo sie 1917 von Conrad Borchling am Deutschen Seminar in Hamburg angestellt wurde. 1919 habilitierte sie sich an der neu gegründeten Universität Hamburg und wurde 1923 zur Professorin ernannt. 1926 erhielt sie den Ruf auf die neu eingerichtete außerordentliche Professur für niederdeutsche Philologie.

Lasch übernahm die Gesamtkonzeption des Hamburgischen Wörterbuches und des Mittelniederdeutschen Handwörterbuches und publizierte bis zu ihrer Entlassung 1934 sieben Lieferungen des Mittelniederdeutschen Handwörterbuches. Ihre Forschungen zur Sprache des hamburgischen Niederdeutsch und des Berlinischen stellen wesentliche Bezugspunkte für die sich erst Jahrzehnte später entwickelnde Stadtsprachenforschung dar.

Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 führte zu der vorzeitigen Pensionierung der jüdischen Professorin Lasch im Jahr1934. Sie musste den Universitätsbetrieb verlassen und erhielt Publikationsverbot.

Die zunehmende wissenschaftliche Ausgrenzung veranlasste sie, 1937 in ihre Heimatstadt Berlin überzusiedeln. 1942 wurde Agathe Lasch mit dem 18. Osttransport nach Riga deportiert und ist dort gewaltsam zu Tode gekommen

Vereinsmitglied seit 1910, Vorstandsmitglied bis 1933.

Nach 1945

In den Jahren nach der Gründung beider deutscher Staaten bemühte sich der Verein zunächst um die Fortführung der Tradition, die Tagungen im gesamten niederdeutschen Sprachraum stattfinden zu lassen. Allerdings musste die 71. Jahrestagung 1958 in Rostock bis zur Wiedervereinigung die einzige Pfingsttagung auf ostdeutschem Boden bleiben. Die Einreise der Vereinsmitglieder aus der DDR zu Tagungen in der BRD gestaltete sich zunehmend als unüberwindbare Schwierigkeit. Ab 1970 war ein direkter wissenschaftlicher Kontakt nicht mehr möglich.

Perspektivenwechsel in der Sprach- und Literaturwissenschaft, Interdisziplinarität und die Etablierung neuer Disziplinen haben die Erforschung des Niederdeutschen nachhaltig beeinflusst und fruchtbringende thematische wie methodologische Neuperspektivierungen ermöglicht. Seit den 70er Jahren etablierten sich soziolinguistische Ansätze; einen relativ jungen Forschungsgegenstand bildet die norddeutsche Alltagssprache.

Heute gilt der VndS als diskursiver Knotenpunkt für etablierte FachwissenschaftlerInnen wie für NachwuchsforscherInnen und versteht sich als Forum für die Auseinandersetzung mit allen Aspekten des Forschungsgegenstands Niederdeutsch.

Vorsitzende des VndS

Dr. August Lübben (Vorsitzender 1875-1884)
(*1818 Hooksiel/Ostfriesland; † 1884 Oldenburg)

Heinrich August Lübben studierte Theologie und Philologie in Jena, Leipzig und Berlin, war nach dem Studium bis 1875 im Schuldienst in Oldenburg tätig und ab 1877 Vorsteher der dortigen städtischen Bibliothek.

Ab 1875 widmete er sich intensiv der Erarbeitung des Mittelniederdeutschen Wörterbuchs, das bis 1881 in 6 Bänden erschienen ist, sowie der Mittelniederdeutschen Grammatik.

Mitbegründer des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung 1874.

Dr. Karl Ernst Hermann Krause (Vorsitzender 1884-1893)(* 1822 Northeim; † 1893 Rostock)

Karl Ernst Hermann Krause studiert ab 1841 an der Universität Göttingen Philologie, Geschichte, Geografie und Mathematik. Nach seiner Tätigkeit als Lehrer (ab 1846) in Lüneburg und Stade wechselte Krause als Leiter der Großen Stadtschule 1865 nach Rostock. 1880 wurde ihm für seine historischen und sprachhistorischen Forschungsleistungen die Ehrendoktorwürde verliehen.

Vereinsmitglied ab 1875.

Prof. Dr. Alexander Reifferscheid (Vorsitzender 1893-1907)
(* 1847 Bonn; † 1909 Greifswald)

Alexander Heinrich Max Reifferscheid wurde 1871 mit einer Arbeit „Über die untrennbare Partikel ge- im Deutschen“ an der Universität Breslau promoviert. Von 1873-1876 war er als Privatdozent in Bonn tätig. 1876 siedelte er nach Greifswald über, wo er bis zu seinem Tod 1909 als Professor für Deutsche Philologie an der Universität lehrte. Von 1890 bis 1891 war er Rektor der Universität Greifswald.

Vereinsmitglied ab 1876.

Prof. Dr. Edward Schröder (Vorsitzender 1909)
(* 1858 Witzenhausen; † 1942 Göttingen)

Edward August Schröder wurde 1880 im Fach Deutsche Philologie promoviert („Das Anegenge“). Die Habilitation folgte 1883 mit einer (unpublizierten) Arbeit zur Kaiserchronik. Ab 1885 war er als Privatdozent an der philosophischen Fakultät der Berliner Universität angestellt, bevor er 1887 ein Extraordinariat für Deutsche Sprache und Literatur erhielt. 1889 erfolgte der Ruf auf eine ordentliche Professur nach Marburg, von wo aus er 1902 nach Göttingen wechselte.

Schröder etablierte die Namenkunde als wissenschaftliche Disziplin. Er beschäftigte sich im Bereich der niederdeutschen Philologie mit der älteren niederdeutschen Literatur (u.a. Eulenspiegel) und mit skandinavisch-deutschen Sprachbeziehungen. Lange Jahre war er Herausgeber der Zeitschrift für deutsches Altertum.

Vereinsmitglied ab 1877.

Prof. Dr. Wilhelm Seelmann (Vorsitzender 1907-1908, 1910-1923)
(* 1849 Oschersleben; † 1940 Berlin)

Wilhelm Emil Seelmann-Eggebert studierte ab 1871 Klassische und Germanische Philologie an der Universität Berlin und wurde 1875 in Halle auf dem Gebiet der Klassischen Philologie promoviert („De propagatione scholiorum Aeschylorum“). Er arbeitete ab 1874 als Bibliothekar an der Berliner Universitätsbibliothek, 1901 wurde er leitender Bibliothekar an der Preußischen Staatsbibliothek.

Seelmann begründete die Reihe „Drucke des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung”, in der er zahlreiche mittelniederdeutsche Texte edierte. 1905–06 erschien eine siebenbändige Ausgabe der Werke Fritz Reuters.

Vereinsmitglied ab 1877.

Prof. Dr. Conrad Borchling (Vorsitzender 1923-1939)
(* 1872 Hitzacker; † 1946 Hamburg)

Conrad August Johannes Carl Borchling studierte von 1889 bis 1896 die Fächer Klassische Philologie und Germanistik an der Universität Göttingen. 1897 wurde er promoviert („Der jüngere Titurel und sein Verhältnis zu Wolfram von Eschenbach“), 1903 schloss sich die Habilitation („Studien zu Geschichte der Sprache in Ostfriesland“) an. 1906 folgte er dem Ruf an die Königliche Akademie in Posen. 1910 übernahm er die Professur für Deutsche Sprachforschung am neu eingerichteten Deutschen Seminar in Hamburg (ab 1919 Professur für Deutsche Sprachwissenschaft und Deutsche Literatur mit besonderer Berücksichtigung des Niederdeutschen und des Niederländischen an der Universität Hamburg). Den Lehrstuhl hatte er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1937 und danach in Vertretung bis 1945 inne. Im Oktober 1945 wurde er wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP (seit 1933) aus dem Universitätsdienst entlassen.

Zentrale bibliographische Referenzwerke sind die von Borchling herausgegebenen sog. „Reiseberichte“ (erschienen 1898-1913) sowie die „Niederdeutsche Bibliographie. Gesamtverzeichnis der niederdeutschen Drucke bis zum Jahre 1800“ (1931-1936; Nachtrag 1956). Gemeinsam mit Agathe Lasch gründete er die Archive für das Hamburgische und das Mittelniederdeutsche Wörterbuch und begann die Erarbeitung des Mittelniederdeutschen Handwörterbuches.

Vereinsmitglied ab 1897.

Prof. Dr. Hans Teske (Vorsitzender 1939-1945)
(* 1902 Hamburg; † vermisst seit Mai 1945)

Hans Teske begann sein Studium an der Universität Hamburg und wechselte später nach Heidelberg, wo er 1927 mit der Schrift Das Eindringen der hochdeutschen Schriftsprache in Lüneburg“ promoviert wurde. 1928 erfolgte die Habilitation (Thomasin von Zerclaere. Der Mann und sein Werk“). Nachdem Agathe Lasch als jüdische Professorin der Universität Hamburg ihre Professur für Niederdeutsche Philologie aufgeben musste, wurde der überzeugte Nationalsozialist Teske (Mitglied der NSDAP und der SA seit 1933) 1934 ihr Nachfolger. Nach der Emeritierung Conrad Borchlings wurde Teske zum 1. Oktober 1938 zum Ordentlichen Professor für Deutsche Philologie ernannt. Ab 1939 zur Wehrmacht einberufen, gilt er seit Mai 1945 als vermisst.

Vereinsmitglied ab 1927.

Prof. Dr. Walther Niekerken (Vorsitzender 1946-1966)
(* 1900 Tötensen/Kr. Harburg; † 1974 Hamburg)

Walther Niekerken studiert von 1928 bis 1933 Germanistik, Englisch, Französisch und Philosophie an der Universität Hamburg und wurde über das Thema „Die Feldbestellung und ihre Geräte im Niederdeutschen“ promoviert. Niekerken arbeitete seit 1933 als Assistent am Germanischen Seminar der Universität Hamburg, 1935 bis 1943 war er an der Hamburger Hochschule für Lehrerbildung als Dozent für Deutsch, unter Berücksichtigung des Niederdeutschen, tätig, bevor er 1943 den Ruf auf die außerordentliche Professur für Niederdeutsche Philologie erhielt, die seit 1938 vakant war. Kriegsbedingt trat Niekerken sein Extraordinariat jedoch erst im Dezember 1945 an und wurde 1969 emeritiert.

Vereinsmitglied ab 1933.

Prof. Dr. Gerhard Cordes (Vorsitzender 1966-1975)
(* 1908 Goslar ; † 1985 Göttingen)

Gerhard Cordes studierte Germanistik und Geschichte an den Universitäten Göttingen und Hamburg, wo er 1932 mit einer Arbeit zum Schriftwesen und Schriftsprache in Goslar bis zur Aufnahme der neuhochdeutschen Schriftsprache“ promoviert wurde. Von 1933 bis 1942 arbeitete Cordes als Assistent am Mittelniederdeutschen Wörterbuch und am Germanischen Seminar der Universität Hamburg. Er habilitierte sich 1938 mit einer Arbeit „Zur Sprache Eilhards von Oberg“. 1942 erhielt Cordes einen Ruf an die Berliner Universität, wo er die neu errichtete ordentliche Professur für Germanische, insbesondere Niederdeutsche Philologie übernahm, jedoch kriegsbedingt nur wenige Monate versah. Als ehemaliges Mitglied nationalsozialistischer Vereinigungen zunächst vom Universitätsbetrieb ausgeschlossen, begann Cordes 1948 seine Tätigkeit als Lektor für Niederdeutsch und Niederländisch an der Universität Kiel. 1952 wurde ihm das neu eingerichtete Extraordinariat für Niederdeutsche Philologie übertragen, das 1957 in eine planmäßige Professur für Deutsche, insbesondere Niederdeutsche, Philologie umgewandelt wurde.

Forschungsschwerpunkt war das Mittelniederdeutsche, insbesondere des ostfälischen Sprachraums. Ab 1948 bis zu seinem Tod übernahm Cordes die Leitung des Mittelniederdeutschen Wörterbuchs.

Vereinsmitglied ab 1930.

Prof. Dr. Jan Goossens (Vorsitzender 1975-1984)
(* 1930 Genk/Belgien)

Jan Goossens studierte von 1951 bis 1955 die Fächer Deutsche und Niederländische Philologie an der Universität Leuven/Belgien. Mit einer Schrift über Semantische vraagstukken uit de taal van het landbouwbedrijf in Belgisch-Limburg” wurde er 1960 promoviert. Im Jahr darauf nahm er eine Dozentenstelle am Deutschen Sprachatlas in Marburg an. 1965 erhielt er einen Ruf an die Universität Leuven/Belgien, 1969 wechselte er an die Universität Münster, an der er eine Ordentliche Professur für Niederländische und Niederdeutsche Philologie bekleidete. Goossens wurde 1995 emeritiert.

Kern der wissenschaftlichen Arbeiten bilden dialektologische Studien. Goossens gilt als Mitbegründer der strukturellen Dialektgeografie. Darüber hinaus widmete er sich sprach- und literaturhistorischen Fragestellungen (Reynke/Reinaert) und der kontrastiven Linguistik mit Blick auf Niederländisch, Hoch- und Niederdeutsch. Goossens war u.a. Herausgeber der Zeitschrift „Niederdeutsches Wort“ (1970-1998) und der Reihe „Niederdeutsche Studien“ (1973-1999).

Vereinsmitglied seit 1966.

Prof. Dr. Dieter Möhn (Vorsitzender 1984-1993)
(* 1936 Stuttgart)

Dieter Möhn studierte in Marburg die Fächer Germanistik und Klassische Philologie und wurde 1961 mit einer Dissertation „Zur Struktur der niederdeutsch-mitteldeutschen Sprachgrenze zwischen Siegerland und Eichsfeld“ promoviert. 1969 übernahm er die Professur für deutsche Philologie mit besonderer Berücksichtigung des Niederdeutschen an der Universität Hamburg.

Forschungsschwerpunkte liegen insbesondere im Bereich der Varietätenlinguistik, v.a. der Erforschung von Fach- und Sondersprachen (u. a. im Kontext des Niederdeutschen). Im Bereich der niederdeutschen Sprach- und Literaturgeschichte verfasste Möhn v.a. Beiträge zu den alt- und mittelniederdeutschen Textsorten und zur Morphologie, Lexikologie und Lexikografie, Mitherausgeber des Hamburgischen Wörterbuchs von 1982 bis 2000, Herausgabe des Mittelniederdeutschen Wörterbuchs ab 1987.

Vereinsmitglied seit 1959.

Prof. Dr. Hubertus Menke (Vorsitzender 1993-2002)
(* 1941 Warburg/Westfalen)

Hubertus Menke nahm sein Studium der Fächer Deutsch, Geschichte und Niederländisch 1963 auf. Studienorte waren Göttingen, Bonn, Köln, Leuven (Belgien) und Münster. 1974 wurde er mit einer Dissertation „Das Namengut der frühen karolingischen Königsurkunden. Ein Beitrag zur Erforschung des Althochdeutschen“ promoviert. 1982 folgt die Habilitation. („Nedderlender mit allerhand verdechtiger Religion beflecket. Zur Sprache und Geschichte der Westerschen in den Herzogtümern Schleswig und Holstein (Gouden Eeuw)“). Ein Jahr später erhielt er den Ruf auf die Professur für Deutsche Philologie, insbesondere Niederdeutsch, und für Niederländische Philologie an der Universität Kiel.

Menkes Forschungsschwerpunkte liegen in der niederdeutschen Sprachgeschichte, der Onomastik, der Sprachsoziologie und der Mehrsprachigkeitsforschung. Eine weitere Domäne bildet die niederdeutsche und niederländische Literatur des Mittelalters, insbes. die europäische Tierdichtung (Reynke). Menkes wissenschaftliches Interesse gilt außerdem dem Niederländischen und der Problematik der Sprachminderheiten.

Vereinsmitglied seit 1970.

Prof. Dr. Jan Wirrer (Vorsitzender 2002-2008)
(* 1944 Hamburg)

Jan Wirrer studierte Anglistik, Germanistik und Philosophie und wurde 1972 an der Universität Tübingen promoviert („Literatursoziologie, linguistische Poetik. Zur Diskussion zwischen Linguistik und Literaturwissenschaft anhand zweier Texte von W. B. Yeats“). 1979 folgte die Habilitation zum Thema „Textverarbeitung und Interpretation. Zur Verarbeitung literarischer Texte in Institutionen unter besonderer Berücksichtigung der Schule“. Ab 1988 lehrte Wirrer an der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft der Universität Bielefeld als Professor für Germanistische Linguistik, Niederdeutsche Sprache und Literatur, bis er 2009 in den Ruhestand versetzt wurde.

Seit den 1990er Jahren hat Wirrer die niederdeutschen Sprachinseln in den USA untersucht. Sein wissenschaftliches Interesse innerhalb des Niederdeutschen gilt außerdem der Sprachstatusfrage in Deutschland und Europa und der Rolle des Niederdeutschen im Nationalsozialismus. Wirrer ist Projektleiter im DFG-Forschungsprojekt „Sprachvariation in Norddeutschland“ (gemeinsam mit Michael Elmentaler, Joachim Gessinger, Jürgen Macha, Peter Rosenberg, Ingrid Schröder).

Vereinsmitglied seit 1979.

Prof. Dr. Ingrid Schröder (Vorsitzende 2008-2017)
(* 1960 Bremen)

Ingrid Schröder wurde 1990 an der Universität Göttingen mit einer Dissertation zur Übersetzung der Bugenhagenbibel promoviert. Von 1988 bis 1993 war Schröder als Bearbeiterin des Mittelniederdeutschen Wörterbuchs in Hamburg tätig. 1999 erhielt sie den Ruf auf eine Professur für Niederdeutsche Philologie an der Universität Greifswald, 2002 folgt der Wechsel an die Hamburger Universität, an der Schröder als Professorin für Niederdeutsch und Linguistik des Deutschen lehrt.

Forschungsgebiete sind die regionale Sprachgeschichte, Variationslinguistik, Stadtsprachenforschung und Sprache der Magie. Schröder ist Projektleiterin im DFG-Forschungsprojekt „Sprachvariation in Norddeutschland“ (gemeinsam mit Michael Elmentaler, Joachim Gessinger, Jürgen Macha, Peter Rosenberg, Jan Wirrer),

Vereinsmitglied seit 1985.

 

Prof. Dr. Michael Elmentaler (Vorsitzender seit 2017)
(* 1965 Duisburg)

Michael Elmentaler absolvierte 1984 bis 1989 ein Magisterstudium der Germanistik, Philosophie und Politischen Wissenschaften an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, wo er 1994 mit einer wissenschaftsgeschichtlichen Dissertation über den Frankfurter Grammatiker S. H. A. Herling promoviert wurde. Nach mehreren Jahren Tätigkeit als Wissenschaftlicher Angestellter im DFG-Forschungsprojekt "Niederrheinische Sprachgeschichte" habilitierte er im Juli 2002 mit einer Arbeit zum graphematischen Wandel in niederrheinischen Texten des 14. bis 17. Jahrhunderts ("Struktur und Wandel vormoderner Schreibsprachen"). Nach einer zweijährigen Zeit als Hochschuldozent am Germanistischen Seminar der Universität Bonn (2003-2005) wechselte Elmentaler im März 2005 auf die Professur für Deutsche Sprachwissenschaft, insbesondere Niederdeutsche Sprache und Literatur an der Universität Kiel.

Seit 2009 ist Elmentaler Mitglied im Vorstand der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen (IGDD). Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen im Bereich der Niederdeutschen Sprachwissenschaft (synchron und diachron), Dialektologie und Variationslinguistik sowie in der Historischen Graphematik (Schreibsprachforschung) und der Historiographie der Sprachwissenschaft.

 

Vereinsmitglied seit 1991.