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Tagungsaufruf 139. Jahresversammlung des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung

17 Mai, 2027 - 20 Mai, 2027

Niederdeutsche Lexikologie und Lexikografie – traditionelle Arbeitsfelder und aktuelle Perspektiven

Lexikologie und Lexikografie gehören zu den traditionellen Arbeitsfeldern der Niederdeutschen Philologie. Bereits die Einrichtung der ersten Niederdeutschprofessuren in Hamburg und Rostock am Beginn des 20. Jahrhunderts war eng verbunden mit Wörterbuchunternehmungen
wie den großlandschaftlichen Dialektwörterbüchern zum Hamburgischen und Mecklenburgischen sowie dem Mittelniederdeutschen Wörterbuch.
Bemühungen zur Erfassung, Untersuchung und Präsentation des niederdeutschen Wortschatzes reichen allerdings weit hinter die Gründungsphase der Niederdeutschen Philologie als akademischer Disziplin zurück und finden frühe Vorläufer in dem lateinisch-niederdeutschen Nomenclator latinosaxonicus des Rostocker Professors Nathan Chytraeus aus dem Jahre 1582 sowie rund 150 Jahre später dem Idioticon Hamburgense des Hamburgers Michael Richey aus dem Jahr 1743.
In der Gegenwart steht neben der Fortführung und dem Abschluss lexikografischer Großunternehmungen (z.B. des Niedersächsischen, Pommerschen und Mittelelbischen Wörterbuchs sowie des Mittelniederdeutschen Wörterbuchs) deren Überführung ins digitale Zeitalter im Vordergrund. Dies betrifft die Digitalisierung und Vernetzung vorhandener sowie die digitale Publikation neuer Wörterbücher (born-digital). Zugleich aber werden das Potential von Dialektwörterbüchern und ihren Quellen als linguistische Korpora sowie ihr Erkenntniswert für sprachhistorische, grammatische und semantische
Forschungsfragen zunehmend erkannt.
Einen weiteren Aufschwung erhält die lexikologische Forschung zudem in mindestens viererlei Hinsicht: Erstens durch die erweiterten Möglichkeiten der Digital Humanities. Zweitens durch ihre Öffnung für Fragen des Sprachkontakts und der Mehrsprachigkeit, mit denen die apriorische Begrenztheit des niederdeutschen Untersuchungsraums überwunden wird und interdisziplinäre Forschungskooperationen fruchtbar gemachtnwerden können. Drittens durch die Erschließung alternativer, bislang nicht aufgearbeiteter lexikalischer Quellen wie etwa des DDR-Mundartenkorpus und des Atlas für Volkskunde. Und viertens schließlich erfordert die zunehmende Didaktisierung der Niederdeutschen Philologie im Kontext der aktuellen Diskussion um Niederdeutsch in der Schule ein verstärktes Nachdenken über Umfang und Gestalt eines modernen Wortschatzes niederdeutscher Lehrvarietäten sowie über die lexikalische Gestaltung niederdeutscher Lehrbücher.
Die Vortragsvorschläge können den engeren Sprachraum des Niederdeutschen zum Gegenstand haben, aber auch angrenzende Kontakt-, Überlagerungs- und Verschmelzungsareale in den Blick nehmen. Die Perspektive kann hierbei sowohl sprachhistorisch als auch gegenwartssprachlich ausgerichtet sein.
Mögliche Themenfelder sind:

  • Wortschatz älterer Sprachstufen (altniederdeutsch, mittelniederdeutsch), Wortschatzwandel
  • Wortschatzerweiterung und Wortschatzwandel im Neuniederdeutschen
  • der niederdeutsche Wortschatz im Sprachkontakt
  • Lexikologie und Lexikografie im digitalen Zeitalter
  • methodische Aspekte aktueller lexikologischer und lexikografischer Projekte
  • der niederdeutsche Wortschatz und Wortschatzarbeit in der institutionellen Vermittlung durch Schule und andere Einrichtungen
  • Standardisierungsfragen im Bereich des Wortschatzes
  • der literarische Wortschatz einzelner Werke und Autoren
  • text-, pragma- und soziolinguistische Aspekte von Wortschatz und Wortschatzgebrauch

Auf Vortragsvorschläge zum skizzierten Themenfeld und zu angrenzenden Fragestellungen freuen sich der Vorstand des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung sowie Andreas Bieberstedt und Sarah Ihden für das Ortskomitee in Rostock. Abstracts zum Vortragsthema im Umfang von maximal 500 Wörtern senden Sie bitte bis zum 15. Oktober 2026 an den Vereinsvorsitzenden Prof. Dr. Michael Elmentaler (elmentaler@germsem.uni-kiel.de). Die Entscheidung über die Aufnahme des Vortrags wird bis zum Jahresende 2026 mitgeteilt.

Call for papers für die 139. Jahresversammlung

Details

  • Beginn: 17 Mai, 2027
  • Ende: 20 Mai, 2027

Veranstaltungsort

  • Rostock

Veranstalter

  • Verein für Niederdeutsche Sprachforschung